Beckenboden und mehr

Der Beckenboden ist vielen nur bekannt wegen der Symptome Inkontinenz, Impotenz oder Senkungsbeschwerden. Dabei ist der Beckenboden als evulotionärer Teil der Bauchrückwand infolge der Aufrichtung ein wesentlicher Baustein für unsere mobile Stabilität. Ein stabil-elastischer Beckenboden ist nicht nur präventiv für die o.g. und anderen Symptome (Rückenschmerzen, Leistenbruch, Hämorrhoiden, Krampfadern, Kopfschmerzen, Müdigkeit, usw.), sondern auch leistungsfördernd für die Verdauung (Ernährung), das Hormonsystem, Haltung & Beweglichkeit (OFC).

Anatomie & Funktion: Der Beckengürtel besteht aus 2 Darmbeinen (Schaufeln) und hinten aus einem dazwischen liegenden Kreuzbein. Vorne ist die Verbindung von einem Knorpel zwischen den Schambeinästen mobil gehalten (Symphyse). Während das Kreuzbein die stabile Fortführung der Lendenwirbelsäule ist und gleichzeitig das untere Ende der „core-link“-Verbindung über die harte Rückenmarkshaut (Dura mater) mit dem Schädel, beheimatet es auch wichtige Nerven, die den Plexus lumbosacralis bilden und so das komplette Urogenitale System sowie die Beckenbodenmuskulatur versorgen. Die Beckenringmuskulatur sorgt für eine aktive Kraftübertragung beim Stehen, Laufen, Sitzen, usw., während die Bänder des Beckens zur passiven Kraftübertragung und Stabilität beitragen, welche durch Wassereinlagerungen (Stauungen, Schwangerschaft, Hormonprobleme, usw.) und Traumata (Stürze, Geburt, Vergewaltigung, usw.) sowie Ablagerungen (Medikamente, Ernährung, Stoffwechselstörungen, usw.) stark beeinträchtigt werden. Die Organe des Beckens müssen arteriell versorgt und venös entsorgt werden. Typische Engstellen können entstehen am Foramen oburatorium (A.,V., N. oburatorius), Leistenkanal, Alcock-Kanal (für den Geschlechtsbereich versorgenden N. pudendus). Die Strukturen des Bauches müssen unter dem Druck und Sog des Zwerchfells ihre Funktionen durchführen können.

Der Beckenboden wird in 3 Schichten eingeteilt:
– äußere Schicht (Schwellkörper-Schließmuskulatur): M. bulbospongiosus und M. ischicavernosus sowie M. sphicter ani externus
– mittlere Schicht (Diaphragma urogenitale): M. transversus perinei profundus und superficialis
– innere Schicht (Diaphragma pelvis): M.  coccygeus sowie beidseits vom M. levator ani (mit seinen drei Anteilen M. puborectalis, M. pubococcygeus und M. iliococcygeus)

Das Wort Becken gibt hier auch die tragende Funktion wieder. Die innere Schicht des Beckenbodens wirkt hierbei wie eine mobile Stütze!

Zur optimierten Funktion für Männer und Frauen ist ein Übungsprogramm in folgende Schritte zu unterteilen nach einer Haltungsanalyse über Lichtsensoren (Idiag M 360):

1. Lockerung des „core links“ und Sacrums.
2. Beckenposition korrigieren.
3. Bauchatmung intensivieren.
4. Dehnung, Mobilisation & Lockerung verspannter Muskulatur (Beckenring & Schultergürtel) zur besseren Ver- u. Entsorgung (Gefäße und Nerven).
5. Kräftigung tiefe Schicht Beckenboden in funktioneller Einheit (Anbahnung) mit Bauch- u. Rückenmuskulatur.
6. Neurofunktionelle Integration dieser Muster.
7. Training
8. Konservierung durch Übertragung in das tägliche Schrittmuster.

Im Rahmen der osteopathischen Telatherapie können über spezielle Techniken Fascien an den Befestigungsstellen mobilisiert werden, die so bis in die Tiefe wirken. So kann z.B. der Plexus lumbalis, der auf dem M. iliopsoas liegt von dessen Fascie in der Mobilität eingeschränkt sein, da dieser Muskel in der Chirugie als „Mülleimer des Darms“ gilt, weil er hinter dem Darm liegend Stoffwechselendprodukte einlagert, die durch den Darm diffundiert sind und die Iliopsoasfascie toxisch verklebt. Da die Nieren diesen Muskel als Gleitlager benutzen, kann dieses von Nieren-Rückenschmerzen bis hin zu Knieschmerzen führen.
Gleichzeitig ist dieser M. iliopsoas in traumatischen Situationen (Stress – siehe auch neurohormonelle Zusammenhänge) oft hyperton (hohe Spannung) und ist sowohl ein „traumatischer Zeiger“ als auch ein Zugang. Mittels provoziertem Zittern (Trauma Releasing Exercises) kann man diese Angst-Spannungen lösen (TRE-Methode).

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